2021 wird Weichen stellen.

Für die jungen Menschen, die uns anvertraut sind, steht viel auf dem Spiel. Wir, die Älteren, sind gut situiert in Gesellschaft und Geschichte.

Wir standen auf festem Boden – und wir werden versuchen, dass sich das, worauf wir nach der Krise stehen, wieder ebenso vertraut anfühlt.

Doch für Kinder sind ein, zwei Jahre Ausnahmezustand Jahre ihres Lebens, in denen sie das tun, was Kinder tun: Lernen durch Anschauung.

Instinktiv richten sie sich nach dem aus, was für sie zukunftsfähig ist, was Sicherheit verspricht. Sie decodieren unser Handeln – sie erkennen Unsicherheit und noch viel besser erkennen sie, worauf wir wirklich unser Vertrauen setzen. Sie dechiffrieren unser Auftreten: Mehr als unsere Worte zählt unsere Haltung.

„Wo ist die Kirche, was macht sie in der Pandemie?“, fragt die Presse und ist damit ein Sprachrohr der Gesellschaft. Ja, sieht denn niemand, was in Gemeinden auf die Beine gestellt wird und wie sich die Organisation der Landeskirche müht in diesen Monaten?

Vielleicht aber geht diese Frage tiefer, vielleicht meint sie:

Wo sind die Christen? Wo sind Menschen, die getragen wirken in unsicheren Zeiten, so sehr, dass sie andere tragen können?

Wo sind Menschen, für die Glaube, Hoffnung und Liebe das größte sind – und die das ausstrahlen, wo sonst nur Angst herrscht und Schuldzuweisungen?

Wo sind Menschen, für die „Übersterblichkeit“ nicht einfach nur ein Statistischer Beweis für die Gefahr eines Virus ist, sondern die wissen, dass da jetzt ein Mehr ist Trauer in unserem Land, ein Mehr an Verlust, ein Mehr an Fassungslosigkeit, ein Mehr an Einsamkeit.

Wo sind Menschen, die leuchten? Nicht aus eigener Kraft, sondern, weil der Glaube an Jesus Christus, das Licht der Welt, sie selbst zum Licht werden lässt?

Wenn die Gesellschaft so fragt, horchen ihre Kinder sehr genau hin, ob eine Antwort kommt.

Und der wichtigste Kontakt für sie sind wir.

Wir stehen für das Fach Religion und da schwingt nun einmal eine ganze Welt mit an Erwartungen, an Bildern. Geglaubt wird uns immer – sie glauben uns unser Versagen, Übertreibungen, Ignoranz und Phantasielosigkeit ebenso wie unsere Überzeugungen, unseren Rat und unsere Leidenschaft.

Also müssen wir des Glaubens würdig sein: Glaubwürdig.

Wie wir umgehen mit Krisen, nicht nur im Unterricht, sondern in unserem Verhalten in der Schulfamilie, mit unseren Äußerungen zur Gesellschaft, das ist eine Botschaft, wir verkündigen, wir schaffen Wirklichkeit – zum Guten wie zum Schlechten.

Die Jahreslosung ist aus der Feldrede des Lukas. Drastischer noch als die Bergpredigt gehen die Worte mitten hinein ins Leben: Wer Gott durch Jesus Christus „himmlischer Vater“ nennen darf, wer des Heiligen Geistes Kind ist, ist anders als andere – bringt SEINE Haltung in die Welt.

Barmherzigkeit zum Beispiel.
Ein Herz behalten, trotz allem, immer wieder und überall, das sich einfühlt in den anderen. Das beide Seiten hört, das abwägt, das versteht. Nicht dauernd Vorwürfe, sondern Verständnis, Bitte um Erklärung und Angebot zur Mitarbeit, zur Hilfe.

Barmherzigkeit investiert von sich aus, zuvorkommend und ohne auch nur daran zu denken, ob sie etwas zurückbekommt.

Der Barmherzige Samariter zahlt aus eigener Tasche für einen völlig Fremden! Was hat er davon? Danach fragt er nicht!n Aber er hat Weichen gestellt – im Leben des Geretteten und im eigenen: Er weiß, dass er Leben retten kann! Wie schön fühlt sich das an!

Großzügig sein, die eigenen Mittel einsetzen für andere – das lässt so gewiss wirken, so sicher, so geborgen.

Wo sind sie, die Christen, wo sind sie, die Menschen, die barmherzig, großherzig sein können?

Was wir sagen von unserem Vater im Himmel wird nur glaubwürdig, wenn wir leben, wie wir es durch ihn können. Also: Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.

Das wird gebraucht!
Wir werden gebraucht.

Dass wir darin nicht müde werden, sondern uns gegenseitig bestärken, dafür sind wir eine Gemeinschaft!

Dank für alles Engagement!

Ihre Katharina Kemnitzer, Landesvorsitzende